"HANNAH FEE KREUZER | chapeau rouge"

Claudia Fischer über Hannah Fee Kreuzer: 

But look.... she is shooting ghosts....no... she razes her eyes for the pelican....
"Ich bin sechzehn Jahre alt und momentan zu nichts anderem mehr zu gebrauchen, als mich trotz kolossaler Erschöpfung in Zusammenhängen etablieren zu wollen, die nichts mit der Gesellschaft zu tun haben, in der ich zur Schule gehe und depressiv bin."
Zitat und Mix aus Hegemanns Roadkillroman zwischen die wilden Fotosamplings von Hannah Kreuzer.

Hannah is spraypainting the roadkill - Markierungen setzend am überfahrenden Tier. Sie ist das Untier. Wie in Momenten höchster Gefährdung, die Stationen des eigenen Lebens noch einmal Revue passieren, lässt sie in einer personifiziert-entpersonal isierten Revue diverser christlich- konsumistischer Ikonographien, noch einmal Hermaphroditen und Untote, frivole Nonnen und verstümmelte Christusse, morbide Sexschwestern und verschnürte Mädchenopfer an Unorten erscheinen, bevor die Welt unter halluzinierten Endzeitskataklysmen zusammenbricht. Ich habe meine von Analsex, Tränen und Leichenschändung geprägte Patchworkgeschichte verloren. - - Selbstverständlich geht es hier um Schlüsselworte. Wann, wenn nicht jetzt, sollte Fräulein Kreuzer die Schlüssel denn an sich reissen? Und vor allem: warum, wenn sie diese dann nicht auch ausprobieren will?
Was auffällt, ist das sichere Gespür, mit der sie die Grenze von Intensität und Overload ausreizt, an der vieles schief gehen kann – und hier fast immer gelingt.
Die vielfach mehr geahnten als erlebten Gespenster einer durchschnittlich versehrten Erwachsenenbiographie, treffen in den gezeigten Inszenierungen auf die Geister kollektiver Ahn (ung)en, die - wie der Pelikan in der christlichen Ikonographie – ihre Brust aufreißen, um die Nachkommen mit ihrem Blut zu füttern. Auch Sperma und Tränen bedecken nur noch partiell etwas Raumgreifendes, das uns aus rot verlaufenen Lippen namenlos angähnt und uns in diesem klaffenden Rachen vielleicht als ein Lachen entgegenkommt, das aus den üblichen eventerprobten Selbstinszenierungen einer Erfahrungs-Ökonomie herausbricht, in welcher „man sich in bestimmte Identitäten und Erfahrungen einkaufen kann. Jeder hört denselben Soundtrack zu seinem Leben, liegt denselben Konsum-Gottheiten zu Füßen. Sampling schneidet da radikale Splitter heraus, bringt die Utopie zurück ins Spiel.“ (DJ Spooky)
Insofern fungieren die gebrochenen Geister in den Arbeiten durchaus als Boten und Begleiter auf einer Passage, die vielleicht Gefahr liefe, sich in morbider Träumerei zu verlieren, wäre Hannah Kreuzer nicht längst in ihr Ungewisses aufgebrochen.

Claudia Fischer